Ohne Glück und gute
Mannschaft geht nichts!

Interview mit einem Fachmann
Während des Badwater-Ultramarathon im Death Valley in den USA sind die Läufer extremen Belastungen ausgesetzt:  Nicht nur, dass die Sportler bei Temperaturen um die 50 Grad Celsius laufen müssen, es liegt auch noch eine außerordentlich lange Strecke, nämlich 217 Kilometer, und ein Höhenunterschied von 2500 Metern zwischen Start und Ziel vor. Das Rennen fordert von den Teilnehmern enorme Anstrengungen. Dr. Fernando Dimeo (35), selbst Marathonläufer, arbeitet als Arzt am Institut für Sportmedizin an der Freien Universität Berlin. Er kennt die Probleme, die bei Langstreckenläufen auftreten und kann Antworten auf einige Fragen geben.

Kann ein Mensch Strapazen wie die enorme Hitze, die extrem lange Strecke und den großen Höhenunterschied überhaupt aushalten?

Nur wenn er vorher ein ausreichendes Training absolviert hat. Man muss bedenken, dass diese Sportler Ausnahme-
Athleten sind, die täglich mindestens vier Stunden trainieren. Nur wer mehrere Jahre hinweg taglich trainiert, kann diese Strapazen überleben. Das ist aber nicht alles: Die richtige Verpflegung, viel Flüssigkeit, ein gutes Team und ein wenig Glück gehören genauso auch dazu. 

Hitze und starke körperliche Belastung beanspruchen den menschlichen Organismus. Welche Schwierigkeiten treten gerade bei dieser Kombination auf? 

Das häufigste Problem ist die starke Müdigkeit, die zu Konzentrationsstörungen führen kann, die Dehydrierung, also der Wasserverlust durch Schwitzen, oder die falsche Flüssigkeitszufuhr. Durch die große Belastung verliert man viel Körper- 
flüssigkeit. Wegen des großen Energie-
und Wasserverlustes können die Muskelfunktionen beeinträchtig werden, 
es kommt zu Muskelkater, -krämpfen 
und Zerrungen. 

Welche Probleme können sonst noch auftreten? 

Bei Langstreckenläufen treten vor allem Beschwerden am Haltungsapparat auf, dazu kommen noch Reizzustände an der Achillessehne, Blutblasen und die sogenannten "Wölfe", das heisst, Reizungen der Haut wie etwa in den Achselhöhlen oder auf der Brust. Zudem wird es noch im Bereich des Kniegelenkes zu Schmerzen und Entzündungen kommen. 

Wie können sich die Teilnehmer gegen diese Gefahren schützen? 

Vor allem durch eine richtige Vorbereitung. Dazu gehört eine Gymnastikausgleichs- 
programm, um die Muskulatur und die Gelenke geschmeidig zu halten. Die lange Laufbelastung im Training führt einerseits zu Muskelverkürzungen und andererseits zu Muskelschwächungen. Die kürzer werdenden Muskeln, zum Beispiel die auf der Rückseite des Oberschenkels, gilt es zu dehnen, die schwächer werdenden Muskeln an der Vorderseite des Beines müssen durch ein Krafttraining gestärkt werden. Auch die Rückenmuskulatur muss einem regelmäßigen Kraft- und Trainings- 
programm unterzogen werden. Ferner 
ist es eigentlich selbstverständlich, dass 
die Athleten auf eine gute Ausrüstung achten, sprich Schuhe, die speziell auf 
sie abgestimmt sind.
 
Zum Thema Ernährung und Flüssigkeitsversorgung gilt folgendes: Die meiste Energie kommt aus den Kohlehydraten, wie sie Reis und Nudeln zur Verfügung stellen. Während des Rennes müssen sich die Läufer ballaststoffarm ernähren, da sonst Blähungen drohen. Durch die enorme Belastung verbrauchen die Sportler zwischen 5000 und 10000 Kalorien täglich. Als Energielieferanten eignen sich Obst, zum Beispiel Bananen, kein Müsli sondern polierter Reis, kein Vollkornbrot sondern Nudeln, genug Eiweiß und wenig Fett.
 
Und wie schon gesagt, die technische Unterstützung durch ein gutes Team ist von großer Bedeutung. Ohne eine Mannschaft, die den Sportler zum Beispiel in der Nacht richtig motiviert, ihm Essen und das Umfeld richtig organisiert hat, wird kein Läufer diese Tortur überstehen.

Selbst ein begeisterter Langstreckenläufer: Dr. Dimeo