Nach über 60 Kilometern: Ein Japaner führt

Bei Rennmeile 40 beginnt das große Leiden. Das Thermometer am Krämerladen in Stovepipe Wells misst am frühen Nachmittag 120 Fahrenheit, etwa 50 Grad. Etwas später wird es noch heißer werden.

Die nächsten 20 Meilen von hier ab steigt die Straße kaum sichtbar, aber spürbar an, von etwas mehr als Meereshöhe auf 4000 Fuß. Hinweisschilder mahnen die Autofahrer, ihre Klimaanlage auszuschalten, weil sich sonst der Motor überhitzen könnte.

Die Zeitnehmer, die sich unter einen Sonnenschirm verkrochen haben, führen den Japaner Kename Sakurei, 36, als Schnellsten. Knapp sechs Stunden hat er von Badwater bis hierhin gebraucht, das entspricht einem Schnitt von etwa 10 Kilometern die Stunde. Den Oberkörper leicht vornüber gebeugt, die Füße kaum vom Boden hebend, fast schleichend macht der Japaner Tempo. Eine silberne, futuristisch anmutende Kappe schützt seinen Kopf gegen die Sonne.

Dusan Mravlje, nur wenige Minuten hinter Sakurei zurück, lässt sich vor dem Laden in Stovepipe Wells auf einer Bank nieder. Sein Betreuer Frank reicht Getränke und seine Tochter Neza, die heute 21 wurde, massiert ihm die Beine. Aus seinen Augen blitzt Optimismus. "Ich habe keine Probleme, keine Schmerzen, das ist ganz wichtig." Im Vergleich zu vielen anderen im Rennen wirkt er noch sehr frisch. Und scheinbar macht er sich Hoffnung, dass sich die, die noch vor ihm liegen, etwas übernommen haben. Dann stemmt er sich hoch und trabt aus dem Schatten wieder auf den Highway 190.

Ein paar Meilen weiter, an einem jener vielen Orte auf der Strecke, an denen den Läufern die Gerade hinter ihnen genauso unendlich erscheinen muss wie jene, die noch vor ihnen liegt, klopft sich der Russe Labutin immer wieder mit schmerzverzerrtem Gesicht auf den linken Oberschenkel. Er scheint große Probleme zu haben und läuft längst nicht mehr so rund wie zu Beginn, als er und sein Kamerad Kruglikov den Rest der ersten Startgruppe binnen kurzer Zeit deutlich hinter sich ließen. Es sieht so aus, als müsste der Russe bald aufgeben. Auch Kruglikov, der noch etwas weiter voraus gegen den Anstieg kämpft, verfällt immer wieder ins Gehen.

Bei vielen im hinteren Teil des Feldes ist das längst die gängige Art der Fortbewegung. Jack Dennees etwa, der stets gut gelaunte Brite, ließ ich in Furnace Creek bei Rennmeile 18 sogar unter einer Palme nieder und trank eine große Tasse Tee. Danach wurde er noch im Central Store der Oase gesichtet. Wieder auf der Strecke, spazierte er mit einem bunten Regenschirm als Sonnenschutz durch die Gegend. Häufig haben sich Pärchen oder kleine Gruppen gebildet. Anfangs wird noch geplaudert und gescherzt, später wird auch die Kraft zum Sprechen von den Beinen eingefordert.

Die übrig gebliebenen drei Deutschen, zusammen in der letzten Startgruppe um 10 Uhr auf die Strecke gegangen, laufen bereits jeweils ihr eigenes Rennen. Joey Kelly zumindest bis Furnace Creek noch in einer langen schwarzen Radlerhose. Seine Taktik: Langsam ausziehen, und damit die Hitze überlisten.

Kename Sakurei
Schatten spendet nur die Mütze
Pflege muss sein
Unkonventionelle Erfrischungsmethode
Langsam Feunde!
Jack Deness
Gruppenbildung