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Dusan: Das schwerste Rennen überhaupt
"So, so geht das da hoch." Dusan Mravlje hält den Unterarm
schräg nach oben und schüttelt den Kopf, wie er das häufig
tut, wenn ihm etwas ungeheuerlich vorkommt. "Das ist ein so
hartes Rennen, so schwer, das schwerste überhaupt."
Er hat's geschafft. Nun streckt er die schmerzenden Beine
weit von sich und beantwortet mit geröteten Augen und hervorgetretenen
Wangenknochen auf deutsch die Fragen der Medienvertreter.
Ein Gestell aus Haut und Knochen in einem Klappstuhl. "Alles
lief nach Plan", sagt er und wirkt dabei, wie vorher auch
Kruglikov, bei aller Erschöpfung noch erstaunlich munter.
"Bis der Berg kam." Da zog ihm der Russe davon, unsichtbar
weil zwei Stunden vor ihm gestartet. Dafür habe er schon sehr
früh vor seinem geistigen Auge den Parkplatz gesehen, viele
Details des Zielbereichs, von einem Ort, am dem er vorher
noch nie gewesen sei. Visionen à la Badwater Ultramarathon.
Ob er mit dem Ergebnis zufrieden sei. Dusan stößt schnaubend
Luft aus der Nase. -- Was für eine Frage. "Es gibt nicht viele
auf der Welt, die das in dieser Zeit schaffen können." Und
da hat er wohl recht.
Zum ersten Mal waren im Death Valley wirkliche Spitzenläufer
aus Europa am Start -- und sofort sind die alten Maßstäbe
gleichermaßen pulverisiert worden. "Mravlje und Kruglikov
haben einen neuen Standard gesetzt", meint denn auch Renndirektor
Chris Kostman. Er war offensichtlich so über die Schnelligkeit
der beiden verblüfft, das er es nicht geschafft hatte, bei
Kruglikovs Ankunft im Ziel zu sein. Erst als Mravlje einlief,
wurde das offizielle Zielband über die Straße gespannt. Kruglikov
hatte noch durch ein Band aus Klopapier laufen müssen.
Während Dusan Interviews gibt, steht die Russin Reutovich
zirka zwei Meilen weiter unten zwischen kniehohen Büschen
am Straßenrand. Die völlig abgemagerte Frau trägt plötzlich
einen Cowboyhut und wirkt seltsam verlassen in dem prachtvollen
Panorama des Nationalparks. Alles o.k? Sie bejaht und bedeutet
mit einer wegwerfenden Armbewegung, dass sie ihre Ruhe haben
wolle. Auch für sie, das scheint in diesem Moment klar, ist
dieser Tag einer der schwersten in ihrer Sportlerkarriere.
Wenige Momente später parkt ihr Begleitfahrzeug am Straßenrand.
Reutovich muss sich noch kurz vor dem Ziel für eine Stunde
hinlegen. Dennoch, so stellt sich später heraus, ist
sie die schnellste Frau, die jemals am Badwater Ulramarathon
teilgenommen hat.
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