Uli Weber nach 44,5 Stunden im Ziel

Auf den letzten Metern rafft sich Uli Weber nochmal zum Laufschritt auf, dann fällt das Zielband. Geschafft. Nach 44 1/2 Stunden hat die Quälerei ein Ende. Hinter ihm liegt, das hatte er schon am Vortag so eingestuft, "das härteste Rennen meines Lebens".

Er und Eberhard Frixe fallen sich kraftlos in die Arme. Frixe hatte früh aufgeben müssen und war seitdem die meiste Zeit neben Weber hergelaufen, um ihn zu motivieren. Vivian, eine der Betreuerinnen, die den Läufer aus Würgau bei Bamberg vorher nicht kannte, steht vor Rührung das Wasser in den Augen.

Weber selbst wirkt glücklich, aber gefasst. Kein Jubelschrei dringt über seine Lippen, auch führt er keinen Freudentanz auf. Aber, wer macht das schon mit 217 Kilometern in den Beinen. Noch etwas ungläubig blickt er auf die Finisher- Medaille, die ihm Renndirektor Chris Kostmann um den Hals gehängt hat: "Ich glaub' da kann man echt stolz drauf sein." Weitere Emotionen gönnt sich Weber jetzt nicht, er will nur noch eins: essen.

Wenig später hockt er zusammen mit Frixe und einer Filmcrew an einem grob gezimmerten Holztisch neben einer Berghütte. Vor sich eine dicke Scheibe gebackenen Schinken, zwei Spiegeleier sunny side up, Kartoffeln und einen Turm aus Toastscheiben. Weber gehört offenbar zu jenen Läufern, die unmittelbar nach einer Grenzbelastung deftig zuschlagen können. Dusan Mravlje zum Beispiel, der Zweiter wurde, hat während des ganzen Rennens nichts gegessen, auch unmittelbar danach nicht. Erst viel später begann er, seinen Magen mit kleinen Häppchen wieder an feste Nahrung zu gewöhnen.

Noch am Vortag, als ihn die Hitze zu einer längeren Pause in Stovepipe Wells zwang, verspürte Weber weniger Appetit. Während er sich einen großen Bissen Schinken in den Mund schiebt, läßt er die vergangenen fast 45 Stunden ausschnittsweise Revue passieren. Ihn plagten ähnliche Symptome wie sie Frixe zum Aufgeben zwangen: ein Blähbauch und schlimme Magenschmerzen. "Man hat solche Angst zu wenig zu trinken, das man auf einmal zu viel im Bauch hat." Als das Schlimmste vorbei war, hüpfte er in Stovepipe Wells kurz in einem Pool und trank danach ein Weizenbier. Weber: "Das hat den Magen wieder gerichtet."

Dann kam die Nacht, und bei seiner Rückkehr auf die Strecke empfing ihn ein "wahnsinnig heißer Wind". Er wisse nicht, gesteht Weber, was er ohne Vivian gemacht hätte. Immer wieder massierte sie ihm die Muskeln, kühlte im die Stirn und cremte in ein. "Und um mich abzulenken, erzählte sie mir herrliche Indianergeschichten."

Scheinbar nicht ganz ohne Folgen. Mit seinem "Mitläufer" teilte Weber eine ganze Zeit lang die badwater-typischen Visionen, die sich den Läufern meistens während der eintönigen Dunkelheit bemächtigen. Frixe: "Das war total irre. Überall waren Zelte auf riesigen Gestängen." Indianer-Tipis vielleicht? Weber: "Ich blickte nur noch auf meine Füße, traute mich nicht mehr nach links oder rechts schauen."

Weber mit Plakete
Feste Nahrung
Weber und Frixe
Vivian
Weber unterstützt von Frixe
Doina Nugent ist noch unterwegs