Der Tag X naht - und die Temperatur steigt

23. Juli. Noch vier Tage bis zum Rennen. Am Swimmingpool der Furnace Creek Ranch spurten zwei junge Mädchen zum Becken, um sich auf den heißen Steinen nicht die Füße zu verbrennen. Bevor sie wieder heraussteigen, schaufeln sie aus dem gleichen Grund Wasser auf den Rand. Sie beeilen sich dennoch, ihre Liegen zu erreichen.

Durch die hohen Palmen am Rande des Golfplatzes und über die verlassenenen Tennisplätze streift ein heißer Wind. Jemand scheint einen gigantischen Fön angestellt zu haben. Stoisch wummert die Kühlung eines Getränkeautomaten. Ein Van mit verdunkelten Scheiben rollt scheinbar ferngesteuert an verrammelten Fenstern und Türen vorbei. Die Appartmenthäuser der Furnace Creek Ranch sind samt und sonders ausgebucht, doch kaum jemand lässt sich blicken.

Vor dem Central Store reißen ein paar Krähen die Schnäbel auf, als müssten selbst sie nach Luft schnappen. Daneben duckt sich eine Gruppe französischer Touristen in den Schatten unter der Veranda, auf der ein großes Thermometer einen neuen Jahresrekord anzeigt: 124 Fahrenheit, 52 Grad Celsius.

Furnace Creek -- eine Ferienanlage; ein Hotel; eine Tankstelle; ein Museum. Das Zentrum des Death Valley. Hier werden in den nächsten Tagen die meisten der Teilnehmer am Badwater Ultramarathon eintreffen. Der Start in Badwater ist nur 17 Meilen entfernt, für hiesige Verhältnisse ein Katzensprung. Doch noch kündet quasi nichts von dem Rennen, dessen Anforderungen vor Ort noch viel unglaublicher erscheinen als aus dem fernen Europa betrachtet. Einzig Dušan Mravlje macht sich seit zwei Tagen joggend mit der Strecke vertraut; morgens, bei vergleichsweise angenehmen 40 Grad.

An der Rezeption der Ranch sind etliche Vorbuchungen mit dem Codenamen Badwater eingegangen. Was sich dahinter verbirgt wissen die Damen und Herren indes nicht. Selbst Jeff, offenbar der Chef am Empfang, und wie viele hier mit professioneller Freundlichkeit geschlagen, kuckt denkbar unbeeindruckt drein. "Was soll das sein -- ein Rennen? Hier?"

Immerhin gibt's hier den Wetterbericht. Und der ist im Death Valley genauso gefragt wie in St. Anton oder Oberstdorf. Könnte ja sein, dass man gerade einem neuen Rekordwert entgegen schwitzt. Wobei, es ist eine trockene Hitze, eine unsichtbare Glut, die den Körper austrocknet und die Schritte lähmt. Vier Liter Wasser am Tag, besser noch das Doppelte, empfiehlt eine Broschüre für Touristen als Tagesration. Vernünftig ist, gleich noch ein paar Liter mehr ins Auto zu packen. Die Weiler im Death Valley liegen nicht selten 50 Meilen auseinander. Da kann es im Falle einer Panne lange dauern bis Hilfe naht.

Zurück zum Wetterbericht. Der prophezeit für die nächsten Tage ein Anhalten der Gluthitze. Am Tag des Rennens soll's dann etwas "abkühlen", auf 48 bis 50 Grad, was so etwa der Durchschnittstemperatur im Juli entspricht. Und mit einem Regenschauer sollten nicht einmal die größten Optimisten unter den Läufern rechnen.

 

Dusans erste Tests im Death Valley
Die hungrige Krähe
Rekordtemperatur