Langsam treffen die Athleten ein

Dienstag, 25. Juli. Auf dem Highway 190 zwischen Stovepipe Wells und Lone Pine wird getestet. Etliche Prototypen, von dichten Kunststoffschürzen vor neugierigen Blicken geschützt, gleiten auf dem gewellten Asphaltband von Meereshöhe hinauf zum Bergrücken des Canyon National Parks.

Unerbittlich röstet die Nachmittagssonne das Land. Motoren, die das aushalten, taugen sehr wahrscheinlich auch für die Serienproduktion. Im Nirgendwo der grauen Gerade mischt sich ein heller Tupfer in den Lauf der Maschinen -- ein weiterer Teilnehmer ist eingetroffen.

Sein weißer Sonnenschutz flattert im Wüstenwind. Peu à peu zeigen sie sich die Athleten. Verteilt in einem Umkreis von zirka 150 Kilometern haben sie Quartier bezogen und machen sich noch so gut es geht mit dem Terrain vertraut. Tagelang trabte Dusan Mravlje auf verschiedenen Streckenabschnitten jeweils ganz alleine durchs Death Valley. Vielleichtt sind inzwischen auch die vier Deutschen eingetroffen: Uli Weber, 51, aus Pfalzgrafenweiler, Eberhard Frixe, 50, aus Meine, der 27-jährige Joey Kelly von der Kelly Family und Doyna Nugent, 30, aus Ingolstadt. Zu sehen sind sie noch nicht.

In Panamint Springs bei Streckenkilometer 116 in Richtung Mount Whitney, einer weiteren Ansiedlung, deren Infrastruktur sich in einem Gasthaus, einer Reihe Apartmenthäuschen und einem defekten Fernsprecher erschöpft, streckt eine kleine Gruppe Amerikaner die v-förmigen Waden unter den Tisch. Draußen auf der Veranda haben es sich Pierogiorgio Scarambelli und Amerigo Puntelli, zwei Italiener, bequem gemacht.

Scarambelli, 48, der mit seinem angegrauen Bart und dem Stirnband einem nicht mehr ganz jungen Hippi ähnelt, hat schon 70 Marathons durchgestanden und ist letztes Jahr nonstop 323 km durch Mauretanien gejoggt. Die Sache hier geht er scheinbar locker an. Die Mitteilung, dass der Streckenrekord bei 27 Stunden liegt verblüfft ihn sichtlich. "Ich will unter 60 Stunden bleiben, alles andere ist mir egal."

Warum er an dem Rennen im Death Valley teilnehme - "Weil ich hier noch nie gewesen bin." Spricht's und nimmt einen kräftigen Schluck von seinem Bier. Die Teststrecke überläßt er heute anderen.

Hghway 190
Pierogiorgio Scarambelli